Wie wollen wir in Zukunft arbeiten – und wie wollen wir leben?

von Thorsten Kadel, Senior Creative Director, dan pearlman Group, Berlin  

Bevor man in die Zukunft schaut, lohnt es sich immer, einen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen: wie war es vor 10 oder 20 Jahren? Was hat sich bis heute verändert und was wollen wir darauf aufbauend in Zukunft erreichen?
 


Aller Anfang ist schwer

Wenn ich zurück zu meiner beruflichen Anfangszeit vor 15 Jahren denke, wurden Homosexualität und Transgender kaum thematisiert. Meine sexuelle Orientierung war innerhalb unseres Teams allen bekannt und nie ein Problem. Kunden gegenüber war es allerdings nur selten ein Thema. Vor allem die Vorstandswelt war damals sehr heteronormativ geprägt und entsprechend habe ich das Thema soweit es möglich war vermieden. Die „privaten“ Themen, über die in den Mittagspausen der Kundenworkshops gesprochen wurden, waren eben nicht Fußball, Kinder oder die Ehefrau. Die Frage nach dem Wochenende konnte ich selten ehrlich beantworten und war froh, wenn nicht die Frage nach der Frau oder der Freundin kam.

Wandel braucht Mut

Heute ist das anders: Dank Berlin, dank meiner Erfahrung, meines Alters, meiner Position und vor allem dank der aktiven Arbeit der LGBTIQ+ -Bewegung ist ein toleranter, offener und menschlicher Umgang mit Diversität möglich. Doch Wandel startet nicht von alleine, sondern braucht mutige Stimmen, die ihn herbeiführen und unterstützen – und diese Stimmen müssen aus allen Branchen und Hierarchieebenen kommen. Ich habe 2005 zusammen mit meinem Partner das Design Studio SchwarzRosaGold gegründet, um zu zeigen: wir gehören auch dazu, wir stehen für traditionelle Werte wie Sorgfalt oder Effizienz und verkörpern gleichzeitig Nonkonformität. Nur wenn wir allen Menschen verdeutlichen, dass Vielfalt neue Ideen schafft, können wir vorankommen und Lösungen finden. 

Bei dan pearlman habe ich damals das Strategie-Team aufgebaut und kurze Zeit später den ersten schwulen Chefstrategen eingestellt. Unser Netzwerk ist stetig gewachsen, so dass sich die Präsenz unserer offenen Kultur innerhalb der Community verbreitet hat. Nach und nach hat sich unser Team um so viele schwule Kollegen erweitert, dass wir die Abteilung liebevoll als „Strategay“ bezeichnen. Dabei geht es nicht um den Aufbau einer möglichst großen Gay-Community, denn auch das bedeutet wiederum Abgrenzung. Für uns geht es vor allem um Sichtbarkeit. Diversität muss inklusiv sein und kann nie nur aus Menschen mit Partikulärinteressen bestehen. Darum möchten wir unsere offene Kultur mit einer noch größeren und diverseren Community teilen. 

 


Wir wollen eine Gemeinschaft der Vielfalt sein

LGBTIQ+ und Diversity sind für uns bei dan pearlman essenziell, denn Kreativität lebt von der Vielfalt. Wir wollen Diversität nicht nur nach innen und außen zeigen, sondern unserem Team auch die Sicherheit geben, dass alle genau so sein können, wie sie sein wollen: gewöhnlich außergewöhnlich, ohne Konformitätszwang und ohne jede Angst. Jeder Mensch ist anders und das ist gut so, denn unsere Vielfalt ist das, was uns einzigartig und stark macht. Wir wollen eine Kultur, in der alle gleiche Chancen und den Mut haben, Dinge anders anzugehen. Verständnis hat für uns oberste Priorität. Wir wachsen gemeinsam und achten darauf, dass wir dies nachhaltig tun: nicht nur ökologisch und wirtschaftlich, sondern auch zwischenmenschlich. Für uns darf Arbeit Spaß machen und Freude weitergeben. Wir wollen Neues ausprobieren. Dabei kann auch immer wieder einmal etwas schiefgehen, denn aus Fehlern lernen wir. Sich verstecken zu müssen, egal aus welchem Grund, ist unnötig, belastend und nicht zuletzt auch unproduktiv. Um unsere diverse und inklusive Kultur zu feiern, gibt es bei Veranstaltungen wie dem DressUp Friday, Grillparties auf dem Dach im Sommer oder unserer Winterparty ein übergreifendes Motto: Sei bunt, sei du selbst! LGBTIQ+ ist für uns kein Karriererisiko – Homo-, Trans-, und Queerphobie dagegen schon. 

Intern gelingt uns ein tolerantes und diverses miteinander schon sehr gut. Nach außen betrachtet ist es gerade heute enorm wichtig, unser Bekenntnis zu kommunizieren und unsere eigenen Werte auch auf die Auswahl und Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern anzuwenden. Wir wollen sichtbare Zeichen setzten. Deshalb sind wir vor vielen Jahren der Charta der Vielfalt beigetreten und sind stolz auf die Pride 500 Anerkennung, die wir in 2019 erhalten haben. 

 


Die Zukunft gehört uns allen

Um die Zukunft so zu gestalten, wie wir wollen, müssen wir heute schon ein inklusives Fundament errichten. Für uns ist Kreativität die Währung der Zukunft: Und diese Kreativität braucht Vielfalt und Talente, die Diversität leben. Dabei schließt Diversität für uns ein breites Spektrum an Themen ein: Sexualität, Gender und Gender Equality, Alter, Herkunft, Familie oder physische Beeinträchtigung sind dabei nur einige, die ich hier aufzählen möchte. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden und um sie sichtbar zu machen, gilt es, Plattformen zu schaffen. So ist es Teil unserer eigenen DAN ACADEMY, sich in verschiedenen Formaten und auf unterschiedliche Weise dem Thema Female Leadership zu widmen. Dies tun wir nicht nur, indem wir Veranstaltungen zu diesem Thema hosten, sondern bei Events und Konferenzen auf starke Female Voices setzten. Ein anderes Projekt, in dem wir unser Verständnis von Diversität ausdrücken und fördern ist die Artist Residency, in der Mathias Vef als Artist in Residence auch queere Themen verarbeitet. Diese beiden Projekte sind erst der Anfang, Vielfalt eine Bühne zu geben. 

Wir wollen eine Zukunft, in der die Persönlichkeit eines Menschen unabhängig von seiner Sexualität, Herkunft oder Geschlechtsidentität geschätzt wird. Gleichzeitig wollen wir diese wichtigen und identitätsstiftenden Merkmale nicht ignorieren. Vielmehr geht es darum, ein Verständnis für Vielfalt zu generieren, die Einzigartigkeit jedes Menschen anzunehmen und ein Lebens- und Arbeitsumfeld zu schaffen, indem sich Menschen wohlfühlen und entfalten können: es müssen Happy (Work) Places entstehen. Weiterhin geht es um die Frage, wie wir Menschen fördern können, die in bestimmten Bereichen benachteiligt oder noch unterrepräsentiert sind. Gemeinsam müssen wir so eine Welt schaffen und verteidigen.

Unser Wunsch für die Zukunft lautet deshalb: wir wollen ein Diversity Leadership!

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